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Groß-Seminar 09./10.11.2018 in Hannover - Erfolgsfaktor Mensch – Fachkräftesicherung heute und morgen - Rückblick

Rückblick Groß-Seminar  „Erfolgsfaktor Mensch – Fachkräftesicherung heute und morgen“  am 9./10. November 2018 in Hannover

 
Am 9. und 10. November 2018 fand in Hannover das Groß-Seminar „Erfolgsfaktor Mensch – Fachkräftesicherung heute und morgen“ des Güteschutzverbandes Stahlgerüstbau e. V. und der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk statt.
 
Die überaus hohe Teilnehmerzahl hat uns sehr gefreut und zeigt, dass die Themenwahl erneut auf sehr großes Interesse gestoßen ist.

Als Auftaktveranstaltung und allgemeine Einführung zum aktuellen Jahresthema fand im Rahmen der diesjährigen Bundesfachtagung in RostockWarnemünde am 28. April 2018 die Veranstaltung „Talk im Gerüst - Mitarbeiter motivieren und gewinnen“ statt. Das Thema „Erfolgsfaktor Mensch – Fachkräftesicherung heute und morgen“ wurde nun in dem Groß-Seminar 2018 intensiviert. 
 
Die technische Ausstattungsqualität eines Unternehmens ist nur die halbe Wahrheit. Den Unterschied machen die Mitarbeiter. Gewinnung und Bindung von Personal wird in den nächsten Jahren zu einer der größten Herausforderungen im Gerüstbauer-Handwerk. Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitsattraktivität sind notwendig. Das Unternehmen zu einer Arbeitgebermarke zu entwickeln, ist sinnvoll. Die Koordination individueller Mitarbeiterinteressen einerseits und ökonomischer Zielsetzungen des Unternehmens andererseits stellt eine große Herausforderung dar. 

Die Mitarbeiterbindung und -gewinnung als wichtigster und wirksamster Erfolgsfaktor stand zwei Tage im Focus dieses Seminares. Es zeigte, wie Unternehmen Mitarbeiter finden und binden, Mitarbeiterpotenziale freisetzen und das zielgerichtete Miteinander fördern können. Auch das diesjährige Groß-Seminar bot die Gelegenheit, sich von erfahrenen Fachleuten informieren zu lassen. 

Der Wandel in der Arbeitswelt wird durch verschiedene Einflussfaktoren und Ursachen geprägt. 

Als Einführung in das Thema des diesjährigen Groß-Seminares wurde zunächst die Entwicklung des Arbeitsmarktes, der im Wesentlichen von der Globalisierung, des technologischen und demografischen Wandels sowie durch den Wertewandel in der Gesellschaft beeinflusst wird, beleuchtet. Hierzu gehört auch ein Blick auf die Entwicklung der Reallöhne in Deutschland, die im europäischen Vergleich (im Zeitraum von 18 Jahren) nur unterdurchschnittlich angestiegen sind. Der enorme Wettbewerbsdruck im heimischen Arbeitsmarkt, der an Lieferanten und Nachunternehmer weitergegeben wird, betrifft auch das Gewerk des Gerüstbaus. Globale Unternehmen verlagern ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in solche Länder, in denen sie niedrige Lohnkosten nutzen können. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auf dem Binnenmarkt versuchen vor allem die Lohnkosten zu senken. 

Laut einer Studie in den USA (Frey; Osbourne 2013) sollen 47 Prozent aller Jobs durch Automatisierung und Computerisierung bedroht sein, wobei nicht nur Arbeitsplätze für gering qualifizierte Arbeitskräfte, sondern auch qualifizierte Fachkräfte davon betroffen sein sollen. Doch was bedeutet das für den deutschen Arbeitsmarkt? Zusammenfassend geht man davon aus, dass nicht ganze Berufe durch den Computer ersetzt werden können, sondern lediglich Tätigkeiten (z. B. kognitive Routine-Aufgaben oder manuelle Routine-Aufgaben nach programmierbaren Regeln). Analytische und manuelle NichtRoutine-Aufgaben können nicht von Computern übernommen werden. 

Wie wirkt sich der Wandel auf die „Bau- und Ausbauberufe“ aus, z. B. im Gerüstbau? Hier geht man laut einem Bericht des Institutes für Arbeitsmarkt und Baufortschritt (IAB) davon aus, dass sogenannte Helferberufe das geringste Risiko tragen, durch Digitalisierung ersetzt zu werden, während Spezialisten (z. B. Planungsberufe) stärker bedroht sind. Wenn der Anteil an Nicht-Routinetätigkeiten (z. B. Handwerksberufe) in den Helferberufen höher ist als bei den Fachkräften, sind diese einem höheren Substituierbarkeitspotenzial ausgesetzt. Ein so nicht unbedingt erwarteter Ausblick!

Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel in Europa, national und regional in Bezug auf den Fachkräftemangel? Der Zuwachs der Bevölkerung in Deutschland ergibt nicht zwangsläufig eine Erhöhung des Erwerbspersonenpotenzials sowie des Potenzials hinsichtlich der Qualifikationen für den Arbeitsmarkt. Dies spürt jeder Unternehmer, insbesondere in strukturschwachen Regionen des Unternehmensstandortes. Die aktuelle Personalpolitik sollte dringend bezüglich der Führung und Unternehmenskultur, der Personalrekrutierung, des betrieblichen Gesundheitsmanagements, der Arbeitszeit, der Organisation und des Wissenstransfers angepasst bzw. entwickelt werden. Hier wurden interessante Beispiele und Lösungsansätze vermittelt – eine absolute Herausforderung für die Zukunft eines jeden Unternehmens.
 
„Nicht alles was wir probieren, wird zum Erfolg. Aber alles, was uns Erfolg gebracht hat, haben wir irgendwann probiert!“
 
Mitarbeiter einer bekannten Hotelkette stellten ihre authentische Unternehmenskultur vor, „Corporate Happiness“ als neues Führungssystem – der Wertewandel in der Gesellschaft am Beispiel dieses Unternehmens stellt den glücklichen Mensch in den Mittelpunkt. Die überproportionale Steigerung der Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit spricht für sich - eine beeindruckende Leistung.
 
Die Personalführung und Kommunikation in allen Unternehmensebenen ist Chefsache. Die kommunikative Kompetenz wird nur von wenigen Menschen konsequent beherrscht. Die Grundlage von Vertrauen ist die Glaubwürdigkeit und das Selbstvertrauen als Voraussetzung für eine gelingende Kommunikation und Zielerreichung. Hier gab es viele Anregungen zur kritischen Selbstreflexion.

Traditionell kommen bei den Groß-Seminaren immer Unternehmer aus der Gerüstbaubranche sowie Juristen der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk zu Wort, mit interessanten Praxisbeispielen und Tipps zur Fachkräftesicherung, Mitarbeiterqualifizierung und Mitarbeiterbindung durch steueroptimierte Effekte und arbeitsvertragliche Anreize.
 
Besondere Anforderungen für die Integration von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund gehörten ebenso zu dem Programm wie die Entwicklung der interkulturellen Kompetenz der Mitarbeiter, vor allem hinsichtlich der Ausbildung im Gerüstbauhandwerk.
 
Einen Einblick in die Gedankenwelt der Generation Y (Millenials oder Digital Natives, zwischen 1982 und 2000 geboren): Der Beginn einer neuen Ära am Arbeitsplatz, welche generationsabhängige Erwartungen werden an die Unternehmen heute und morgen gestellt? 

Dies stellt wohl die größte Herausforderung für alle Unternehmen dar! Bis 2020 wird die Hälfte der Arbeitsplätze weltweit aus Millenials bestehen, bis 2025 75 Prozent.
 
Wie macht sich ein Unternehmen für einen Mittzwanziger attraktiv, und wie nutze ich als Chef die sozialen Medien zur Erreichung dieser Personengruppe? Welche Arbeitskultur hat das Unternehmen zu bieten, welche Informationen stellt ein Unternehmen zur Verfügung, was denken Mitarbeiter über ihr eigenes Unternehmen, auf welcher Plattform kann ich mit ihnen kommunizieren? Die Fähigkeit, junge Talente für das Unternehmen zu gewinnen, ist genauso wichtig, wie die Bindung der Talente an das Unternehmen.

Feedback, Work-Life-Blending, Karriere-Sicherheit und Family friendliness sind nicht nur Begriffe der Generation Y, sondern sollten als Kernkompetenz der Unternehmensmarke etabliert werden. Nur so lässt sich die Arbeitswelt und –kultur heute und in Zukunft generationsübergreifend erfolgreich gestalten.
 
Nächster Termin:
8./9. November 2019 im Maritim Airport Hotel Hannover
Die umfassenden Seminarunterlagen, die den Teilnehmern zur Verfügung gestellt wurden, sind immer wieder ein äußerst beliebtes Nachschlagewerk.
Über die tolle Atmosphäre vor Ort mit gut gelaunten und interessierten Menschen haben wir uns sehr gefreut. 
 
An dieser Stelle möchten wir uns nochmals bei allen Beteiligten, insbesondere den Referenten und den vielen Teilnehmern, bedanken. 
Wir würden uns sehr freuen, wenn das GroßSeminar auch im nächsten Jahr wieder auf reges Interesse stößt und wir Sie erneut oder erstmalig als Teilnehmer begrüßen können!