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 root GSV  Veranstaltungen  Technik- Seminare   02.03.2018 in Gladbeck - Resümee

Résumé Technik-Seminar am 2. März 2018 in Gladbeck „Evolution in der Gerüstbautechnik?!“

Das diesjährige Technik-Seminar fand mit dem Thema „Evolution in der Gerüstbau-technik?!“ am 2. März 2018 mit 170 Teilnehmern in Gladbeck statt.


Das Programm sah wie folgt aus:

Das Technik-Seminar hatte nicht nur für den material- und werkstoffinteressierten Teilnehmer einiges zu bieten. Auch die Hürden, die es im Zulassungswesen von Gerüsten in Deutschland zu überwinden gilt, konnten von Herstellern, über Fachleute im Ingenieurwesen für Entwicklung und Statik bis hin zur Zulassungsstelle im Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin sehr gut nachvollzogen werden. Bis der Gerüstmonteur seine Gerüstteile in Händen hält, hat eine wahre Evolution in der Gerüstbautechnik stattgefunden.
 
Als allgemeine Einführung zur Materialkunde wurden zunächst die mechanischen Eigenschaften und Materialkennwerte von Holz-Beton-Stahl-Aluminium und Kunststoffen sowie die Herstellungsprozesse vorgetragen, insbesondere mit Bezug auf die Normung, Einteilung nach Fertigkeitsklassen sowie der veränderlichen Eigenschaften, die durch Schweiß- und Umformungstechnik bei Stahl- und Aluminiumwerkstoffen unerwünscht oder erwünscht eintreten können. Die Herstellung der Stahlgerüste erfolgt i.d.R. aus Baustählen und Gusswerkstoffen, durch warmgewalzte/kaltgefertigte und geschweißte Hohlprofile oder Anschluss- und Kupplungsteile als Guss- oder Schmiedeteile. Aber auch Aluminiumwerkstoffe in vielfältig verfügbaren Legierungen werden im Gerüstbau eingesetzt, besonders für die Herstellung von Sonderteilen, wie z. B. Dachbinder, Gitterträger, Hohlprofile für Kedersysteme usw.

Neben dem geringen Gewicht (Ergonomie) und einer meist sauerstoffundurchlässigen Schutzschicht sind die Teile korrosionsbeständig – doch Vorsicht:
Bei thermischer Behandlung (z. B. Schweißen) verliert der Werkstoff Aluminium enorm an Festigkeit (40 - 70 %). Die günstigen Werkstoffeigenschaften aus der künstlichen Alterung (= Wärmebehandlung) werden zurückgebildet. Außerdem dürfen Schweißarbeiten nur durch zertifizierte Fachbetriebe DIN EN 1090-3 ausgeführt werden.

Kunststoffe sind noch leichter als Aluminium, spielen im Gerüstbau aber eher eine untergeordnete Rolle. Belagkomponenten aus Kunststoff schränken die Nutzung im Hinblick auf Hitzequellen oder aggressive chemische Medien stark ein, auch, wenn Kunststoffe durch verschiedene Verstärkungsfasern inzwischen Festigkeiten von höherfesten Stählen erreichen können.

Wie kann eine Gewichtsoptimierung durch Materialoptimierung mit gleichzeitiger Verbesserung der Bauteileigenschaften erfolgen? Verkleinerung der Querschnittsflächen und Auswahl von statisch günstigeren Profilformen, bei gleichzeitiger Verwendung von Stählen mit höheren Festigkeitswerten.

Am Beispiel eines U-Riegels konnte exemplarisch die vorgenannte Optimierung (z. B. Gewichtseinsparung ca. 23 %) bei gleicher Tragfähigkeit und verbesserter (größerer) Durchgangshöhe sowie kleinerer Profilform (geringere Windangriffsfläche) nachvollzogen werden.

Überhaupt scheint für die Zukunft die Verwendung von höherfesten Stählen mit höherer Streckgrenze bei der Herstellung von Gerüsten ein Thema zu sein, mit dem sich alle Hersteller zur Zeit beschäftigen! Wie gehe ich als Gerüstbauunternehmen mit der Wartung und Reparatur von Arbeitsmitteln (Gerüsten) gemäß DIN-Vorschriften und Produktionssicherheitsgesetz verantwortungsvoll um, bzw. wie minimiere ich meine Haftung gemäß Betriebssicherheitsverordnung und nehme meine Aufgabe als Gerüstaufsteller und nicht als Gerüsthersteller wahr.

Ein „Muss“ für jeden Unternehmer, der Reparaturen von Gerüstteilen in eigener Werkstatt ausführt. Durch den Austausch einer Durchstiegsklappe und Verwendung eines anderen Werkstoffes (Alu statt Sperrholz) wird die Produkteigenschaft verändert (verbessert?), was zu einem zusätzlichen Haftungsrisiko für den Gerüstaufsteller führt. Juristisch muss er dann die Anforderungen eines Gerüstherstellers erfüllen, d. h., der Unternehmer muss die Rechte und Pflichten nach gesetzlichen Vorgaben einhalten.

Dies überwacht das DIBt – Deutsches Institut für Bautechnik, dass als Zielsetzung die einheitliche Erfüllung bautechnischer Aufgaben im Bereich des öffentlichen Rechtes umsetzt. Das DIBt erteilt eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Gerüste (abZ) mit der Voraussetzung, dass die Technischen Baubestimmungen gemäß Musterverwaltungsvorschriften (vorher Bauregellisten) eingehalten werden.

Hier wurden interessante Kernthemen aus Herstellersicht, Unternehmersicht und Behörde transparent und zum Teil kontrovers diskutiert. Die Hersteller wurden im Seminar in einer zwischen den Referaten eingefügten, moderierten Diskussionsrunde gebeten, konkret und verbindlich zum aktuellen Stand ihrer Typenprüfungen Stellung zu nehmen.

Alle Teilnehmer konnten wichtige Erkenntnisse über den Stand der Dinge, wie z. B. Neuausgaben von Typenprüfungen für Gitterträger oder Erstellung von Typenprüfungen für Wetterschutzdächer, verfolgen bzw. mit nach Hause nehmen. 

Die umfassenden Teilnehmerunterlagen sind immer wieder ein äußerst beliebtes Nachschlagewerk, welches allen Besuchern am Seminarende zur Verfügung gestellt wurde.

An dieser Stelle möchten wir allen Beteiligten, insbesondere den Referenten und den vielen Teilnehmern, Danke sagen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn unsere nächsten Seminare auch wieder auf Ihr reges Interesse stoßen!


Bitte notieren Sie sich bereits jetzt:

Groß-Seminar:   „Erfolgsfaktor Mensch – Fachkräftesicherung heute und morgen“ am
09./10. November 2018 im Maritim Airport Hotel in Hannover!

Technik-Seminar:  08.03.2019 - NEU:  im Maritim Hotel Würzburg