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 root GSV  Veranstaltungen  Groß-Seminare   14.11.2014 in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Rückblick Groß-Seminar „Traggerüste“ am 14./15. November 2014 in Bad Neuenahr Ahrweiler

Am 14. und 15.11.2014 fand in Bad Neuenahr-Ahrweiler das Groß-Seminar „Traggerüste“ des Güteschutzverbandes Stahlgerüstbau und der Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk statt. Die hohe Teilnehmerzahl hat uns sehr gefreut und zeigt, dass die Themenwahl erneut auf sehr großes Interesse gestoßen ist.

Mit dem diesjährigen Thema „Traggerüste“ wurden neben technischen ebenfalls viele rechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte behandelt. In den beiden Seminartagen wurde die Vielfalt von Traggerüsten in Bezug auf ihre normative und rechtliche Einordnung sowie die daraus folgenden Konsequenzen für die Praxis näher beleuchtet.

Anlass für die Auswahl des diesjährigen Themas „Traggerüste“ war zum einen, die häufig vorgebrachten Wünsche aus Mitgliedskreisen zu berücksichtigen und darüber hinaus sich mit den aktuell geänderten Regelsetzungen zu befassen. Durch den Rückzug bzw. Ersatz bestehender Normen und Regeln, wie der DIN 4421, BGR 187, ergeben sich im Baustellenalltag immer wieder zahlreiche Detailprobleme, die es zu meistern gilt. Z. B.: Woraus setzt sich das Traggerüst zusammen? Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede zu Arbeitsgerüsten? Wann wird aus einem Arbeits- und Schutzgerüst ein Traggerüst, und welche Besonderheiten sind zu berücksichtigen? Welchen Qualitäts- und Qualifikationsanforderungen muss sich der Traggerüstbauer stellen? Welche Bedeutung haben Überwachung und Koordination, welcher Dokumentationsaufwand ist zu betreiben?

Am ersten Seminartag erfolgte eine Einführung zum Thema, die auch die Abgrenzung der Gebiete des Gerüstbaus verdeutlichte. In weiteren Vorträgen wurde auf die Bedeutung des Traggerüstbaus bezüglich des gesamten Gerüstbaus hingewiesen. Der Traggerüstbau hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Gerüstbau zum Vollhandwerk zählt, also in die Anlage A der Handwerksrolle aufgenommen wurde. Daraus resultierte eine hohe fachliche Qualifizierung der Gerüstbaubetriebe und führte insgesamt zu einer Qualitätserhöhung. Die Gerüstbauer und Gerüstbauerrinnen von heute sind hoch qualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte.

In einem interessanten Koreferat zwischen Vertretern der BG Bau und Gerüstbauunternehmern wurden die unterschiedlichen Sichtweisen in Bezug auf den Arbeitsschutz deutlich gemacht, was zu angeregten Diskussionen unter den Teilnehmern führte.

Die Bauteile des Traggerüstbaus wurden vorgestellt und deren Verwendbarkeit für den Einsatz in Arbeits- und Schutzgerüsten hervorgehoben. Beispielsweise kann es bei großen Überbrückungen wirtschaftlicher sein mit Stahlträgern zu überbrücken als mit Gitterträgern.

In diesem Zusammenhang wurden auch die unterschiedlichen Verbindungsarten angesprochen. Während im Traggerüstbau eher stahlbautypische starre oder ideal gelenkige Verbindungen (z. B. Schraub- oder Schweißverbindungen) zum Tragen kommen, sind es im Fassadengerüstbau meist Steck- oder über Reibschluss tragende Verbindungen.

Da im Traggerüstbau sehr hohe Lasten abzutragen sind und diese auch immer planmäßig zu 100% oder mehr auftreten, wurde auch ein besonderes Augenmerk auf die Schnittstellen zwischen Schalung, Gerüstkonstruktion und Gründung gelegt.

An beiden Seminartagen wurde deutlich, dass die nach Norm und ZTV ING geforderte Koordination in der Praxis leider allzu oft vernachlässigt wird, wenngleich sie von zentraler Bedeutung sowohl für die technische Ausführung als auch für die kalkulatorische Betrachtung und die Arbeitssicherheit der Baustelle ist. Dabei wurde deutlich hervorgehoben, dass mit diesem Koordinator nicht der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator nach Baustellenverordnung (SiGeKo) gemeint ist.

Praktische Beispiele für den schweren Traggerüstbau und für Traggerüste aus üblichem Modulgerüstmaterial bildeten den Schwerpunkt des zweiten Seminartages. Dabei lag das Augenmerk auch auf dem Einsatz von Bauteilen des Modulgerüstes für den Traggerüstbau. Die aufnehmbare Last von Modulstielen lässt sich zum Beispiel deutlich steigern, wenn man diese mittels Doppelkeilkopfkupplungen zu vier Stielen bündelt. Es muss hierbei aber auf eine zentrische Lastein- und Lastableitung geachtet werden.

Auch die kalkulatorischen und abrechnungstechnischen Belange und Eigenarten des Traggerüstbaus kamen nicht zu kurz. Dabei wurde deutlich, dass die Kalkulation von Traggerüsten sicher zu den schwierigsten Aufgaben im Gerüstbau gehört und bei falscher Herangehensweise oft zu ruinösen Ergebnissen führen wird.

In der rechtlichen Betrachtung wurde das wohl bekannteste Urteil des BGH im Zusammenhang mit Traggerüsten, in Fachkreisen auch als das sog. „Traggerüsturteil“ bekannt, indem der BGH richtungsweisend bei VOB-Verträgen allgemein zu der Abgrenzung zwischen unmittelbar vertraglich geschuldeten und zusätzlichen Leistungen Stellung nahm, beleuchtet.

Abgerundet wurde das Seminar mit beispielhaften Schadensfällen, die den Stellenwert einer gründlichen Planung und Koordination im Zusammenhang mit Traggerüsten verdeutlichten.

 

 
Foto: KuK, Darmstadt


Die umfassenden Teilnehmerunterlagen sind immer wieder ein äußerst beliebtes Nachschlagewerk, welches allen Besuchern am Seminarende zur Verfügung gestellt wurde.

Über die tolle Atmosphäre vor Ort mit gut gelaunten und interessierten Menschen haben wir uns sehr gefreut. Die Auswertung der Beurteilungsbögen zeigt eine durchweg positive Tendenz. Wir nehmen aber auch jede einzelne Kritik sehr ernst und für eine kontinuierliche Verbesserung der Seminare zum Anlass.

An dieser Stelle möchten wir allen Beteiligten, insbesondere den Referenten und den vielen Teilnehmern Danke sagen.

 

Wir würden uns sehr freuen, wenn das Groß-Seminar mit dem Thema „Wetterschutzdächer“ auch im nächsten Jahr wieder auf Ihr reges Interesse stößt!

 

Nächster Termin:
13./14.11.2015